Rehkitze und Mähmaschinen

Schätzungen gehen davon aus, dass pro Jahr in Deutschland allein zwischen 100.000 und 500.000 Rehkitze den Mähwerken landwirtschaftlicher Maschinen zum Opfer fallen. Dazu kommen unzählige Junghasen und Bodenbrüter wie Fasan, Rebhuhn, Kiebitz, Brachvogel usw.
Mähverluste unter jungen Wildtieren sind kein neues Problem, doch sorgen Flächenzusammenlegungen, moderne Erntemethoden und immer schnellere und größere Maschinen für regionale Totalausfälle auf den Wiesen und Getreidefeldern. Verluste beim Jungwild entstehen bei vielen Maschineneinsätzen in der Landwirtschaft. Nicht nur bei der Ernte sterben Wildtiere, ein Großteil des ersten Wurfes der Feldhasen geht verloren, wenn die Ackerfläche mit Gülle gedüngt und dann gekreiselt und gewalzt wird, um Mais oder Sommergetreide anzubauen. Ein ähnliches Schicksal widerfährt Junghasen im Grünland, wenn im Frühjahr die Wiesen abgeeggt und gewalzt werden.

Werden die Tiere nicht sofort getötet, sind die Verletzungen grausam!

tl_files/Rehkitze und Maehmaschinen/gemaehtes Rehkitz.jpg

Abhilfemöglichkeiten sind genügend bekannt, sie müssen nur eingesetzt werden. Wichtig ist hier als erstes die Kommunikation zwischen dem Landwirt und z.B. den Jagdausübungsberechtigten, damit die Wiese ggf. am Tag vor dem Mähtermin möglichst mit einem Hund abgesucht werden kann. Sind die Kitze schon älter, werden sie sich aus der Wiese zurückziehen, junge Kitze werden in der Regel bei Unruhe aus der Gefahrenzone geführt. Auch das Anbringen von Pfählen mit flatternden Aluminiumbändern oder bunten Plastiktüten einige Tage vor der Mahd kann Scheuchwirkung entfalten, so dass die Wildtiere ihre Jungen in Sicherheit bringen.
Eine Möglichkeit, die den Landwirten Abhilfemöglichkeiten eröffnet, ist die Mähtechnik „von innen nach außen“! Beim konventionellen Mähen werden die das offene Gelände meidenden, Deckung suchenden Wildtiere in der Mitte der Mähfläche wie auf einer Insel zusammengedrängt und trauen sich nicht, über die offene, gemähte Fläche zu fliehen, so dass sie vom letzten Schnitt mit hoher Wahrscheinlichkeit erwischt werden.

tl_files/Rehkitze und Maehmaschinen/gemaehtes Rehkitz4.jpg

Die Bearbeitungsweise „von innen nach außen“ gibt den Wildtieren jedoch die Chance, durch das noch ungemähte Gras die Mähparzelle in der Deckung zu verlassen.
Das gilt nicht nur für Rehwild, sondern auch für Althasen, selbst Fasanenhennen, Rebhühner und andere Bodenbrüter können so ihre nestflüchtenden Küken noch in Sicherheit bringen. Bei den modernen, immer breiter und schneller fahrenden Mähern ist das eine der wenigen zielführenden Maßnahmen, Wildtieren eine -zumindest kleine- Fluchtchance zu geben.

(zurück)